Zukunft der gesellschaftlichen Mitte
Hintergrund
Innerhalb des Bereichs Gesellschaft & Politik lag zwischen 2006 und 2009 der Themenschwerpunkt auf: „Die Zukunft der gesellschaftlichen Mitte in Deutschland“. Hinter der Entscheidung der Stiftung, sich dieses Themas anzunehmen, stand die folgende Überlegung: Obwohl der gesellschaftlichen Mitte in jeder demokratisch verfassten Gesellschaft eine tragende Rolle sowohl als Motor als auch als Stütze zukommt und ihr überwiegend positive Konnotationen wie Werthaltungen und Tugenden, Mäßigung, politische Haltung wider die Extreme oder wirtschaftliche Stärke zugeschrieben werden, war dieses Thema in Deutschland bislang nicht klar diskutiert worden. Vielmehr verfestigte sich der Eindruck, Politik und mediale Öffentlichkeit konzentrierten sich nahezu ausschließlich auf die Ränder der Gesellschaft – etwa mit der Diskussion um Hartz IV oder um Managergehälter.
Ziele
Angesichts der damaligen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen war die Frage nach dem Wesen und der Zukunft der gesellschaftlichen Mitte in Deutschland neu und explizit zu stellen. Die Stiftung verfolgte mit diesem Projekt drei Ziele:
- Erfassung des gesellschaftlichen Wandels.
- Erinnerung an die Potentiale der Mitte für eine leistungsfähige Demokratie und Politik.
- Offenlegung von politischen Handlungs- und Entscheidungsoptionen.
Projektverlauf
Seit Aufnahme des Schwerpunktthemas organisierte die Herbert Quandt-Stiftung drei Sinclair-Haus-Gespräche. Das 26. Sinclair-Haus-Gespräch im Mai 2006 bildete den Auftakt, in dessen Rahmen die Grundlagen für die weitere Arbeit gelegt wurden.
Im April 2007 erschien unter dem Titel "Zwischen Erosion und Erneuerung" eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Studie zur gesellschaftlichen Mitte in Deutschland. Die Autorenschaft lag beim wissenschaftlichen Beirat des Projekts, dem der Soziologe Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil (Universität Mainz), der Zeit- und Sozialhistoriker Prof. Dr. Paul Nolte (FU Berlin) und der Volkswirt und Arbeitsmarktforscher Dr. habil. Martin Werding (ifo Institut München) angehörten. Dieser Bericht untersuchte zunächst grundsätzlich Rolle und historischen Wandel der Mitte im gesellschaftlichen Gesamtgefüge Deutschlands. Daraus ergaben sich Erwartungen an Leistung und Funktion der gesellschaftlichen Mitte in der Zukunft. Am Schluss stand die Identifizierung der politischen Handlungsfelder bzw. Signale, welche mit dazu beitragen, der gesellschaftlichen Mitte die Erfüllung ihrer Funktion im Gemeinwesen zu erleichtern oder sogar erst zu ermöglichen.
Im April 2007 fand das 27. Sinclair-Haus-Gespräch unter dem Titel "Die Mitte als Motor der Gesellschaft - Spielräume und Akteure" statt. Diskutiert wurden Tugenden und Grundhaltungen kurz: Bürgersinn und Bürgertugenden, sowie die politischen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für Mitte-Aspiranten.
Beim dritten Sinclair-Haus-Gespräch im April 2008 mit dem Titel: „Wege zu einer durchlässigen gesellschaftlichen Mitte – Chancen, Leistung und Verantwortung“ erfolgte der Schritt auf die operative Ebene: Es ging darum, erstens, als Anwalt für die Mitte zu agieren, zweitens, den Aufstieg in die Mitte zu fördern, sowie drittens, bürgerliches Engagement zu würdigen.





