Die Preisträger des Schuljahres 2014/15

Trialog der Kulturen

Die Preisträger des Schuljahres 2014/15

Bad Homburg, 8. Oktober 2015. Die besten interkulturellen und interreligiösen Projekte des Schuljahres 2014/15 kommen aus Bremen, Lampertheim und Nohfelden. Insgesamt neun Schulen aus fünf Bundesländern hat die Herbert Quandt-Stiftung am Mittag im Bad Homburger Schloss ausgezeichnet. Ein Jahr lang haben sie sich im Wettbewerb „Trialog der Kulturen" für eine bessere Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen in Deutschland eingesetzt. Für die vorbildlichen Beiträge vergab die Stiftung Preisgelder in Höhe von insgesamt 60.000 Euro.

Die Grundschule Borchshöhe aus Bremen, das Lessing-Gymnasium aus Lampertheim und die Gesamtschule/Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle sind die Gewinner des Schulenwettbewerbs "Trialog der Kulturen" 2014/15. Ihre interkulturellen und interreligiösen Projekte zum Jahresthema "Trialog vor Ort – Schulen werden aktiv" haben die Bildungsexperten der Jury vollends überzeugt. Damit belegen die drei Schulen die jeweils ersten Plätze in den Länderwertungen "Bremen/Hamburg", "Hessen" und "Rheinland-Pfalz/Saarland". Sie erhalten je 9.000 Euro Preisgeld. Für die zweiten Plätze vergab die Stiftung je 6.500 Euro, für die dritten Plätze je 4.500 Euro. Mit dem Geld will die Stiftung den Schulen ermöglichen, ihr Engagement für Verständigung auch nach dem Wettbewerb fortzusetzen.

Insgesamt 22 Schulen aus Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hatten im Schuljahr 2014/15 am "Trialog der Kulturen" teilgenommen. Jede Schule hatte zu Beginn ein Startgeld in Höhe von 3.500 Euro erhalten, um das eingereichte Projekt realisieren zu können.

Die ersten Plätze

Der erste Preis in der Länderwertung Bremen/Hamburg ging an die Grundschule Borchshöhe aus Bremen. Mit dem Theaterstück „Stadt der Schatten“ hat die Schule in den Augen der Jury ein wunderbares und überzeugendes Theaterprojekt auf die Beine gestellt: "Es beweist Mut und Weitsicht, eine Geschichte über Flucht und die Suche nach einer neuen Heimat mit Grundschülern zu bearbeiten." Die Schule habe mit den Kindern zahlreiche Fluchtgründe wie religiöse Verfolgung, Krieg, Kinderarbeit, Armut, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung analysiert und eigene Erfahrungen der Schüler einbezogen. "Diese Analyse geleistet zu haben, spricht für das große Einfühlungsvermögen, die Geduld und die Professionalität der Lehrkräfte", so die Jury. "Der künstlerisch-symbolische Umgang der Grundschule Borchshöhe mit den Schrecken der Welt bereitet die Kinder auf das Leben vor und vermittelt ihnen Kompetenzen zu deren Bewältigung."

Den ersten Preis in Hessen erhielt das Lessing-Gymnasium Lampertheim für das Projekt "Vereint in Verschiedenheit". "In den vielen unterschiedlichen Teilprojekten hat das Trialog-Team aus Lampertheim eine große Strahlkraft nach innen und außen entwickelt", befand die Jury. Von der künstlerischen Gestaltung einer Passage der Weltreligionen über die Komposition einer Trialog-Hymne bis hin zur kognitiven und literarischen Auseinandersetzung mit Religionen und Kulturen hätten die Schüler "mit allen Sinnen gelernt". Vor allem gefiel der Jury, dass die Schule Raum für Begegnung und gegenseitiges Voneinander-Lernen geschaffen habe: ob beim Culture-Surfing, bei dem sich Schüler unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zu Hause in ihren Familien besuchten, oder bei einem mitten in der Stadt eingerichteten Erzählcafé. Das Urteil der Jury: "Nichts trägt besser zum Abbau von Vorurteilen bei."

Der erste Preis in der Wertung "Rheinland-Pfalz/Saarland" ging an die Gesamtschule/Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle für das Projekt "Spuren suchen … Spuren hinterlassen …". "In dreizehn Teilprojekten hat die Schule alle 1050 Schüler eingebunden", lobte die Jury. "Gegenwart und Zukunft wurden dabei ebenso beachtet wie die Vergangenheit. Judentum und Islam ebenso kognitiv erfasst wie durch Begegnung erlebt. Dem Christentum wurde in der Vielfalt seiner Ausprägungen nachgespürt." Bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte ihrer Heimatgemeinde habe die Schule Berührungsängste behutsam überwunden und nichts tabuisiert. Gleichzeitig habe die Schule sich ohne falsche Scheu Nachbarn aus anderen Kulturen geöffnet: Flüchtlingskindern aus den heutigen Krisenregionen dieser Welt und Vertretern der muslimischen Gemeinden. Besonders überzeugend fand die Jury die Nachhaltigkeit: "Fast alle Unterrichtseinheiten wurden in den Schullehrplan aufgenommen."

Stimmen zur Preisverleihung

"Die Preisträger haben vorgemacht, wie ein offener und wertschätzender Umgang von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen miteinander möglich ist", sagte Susanne Klatten, Stiftungsratsvorsitzende der Herbert Quandt-Stiftung, bei der Preisverleihung. "Alle Schüler sind mit positiver Neugier und ohne Angst vor dem Fremden aufeinander zugegangen. Sie haben aber auch gelernt, wie wichtig es ist, Konflikte anzusprechen und konstruktiv zu bewältigen."

"Die Herbert-Quandt-Stiftung hat es verstanden, mit dem 'Trialog der Kulturen' und den diesjährigen Preisträgern die Frage und die Philosophie des Umgangs mit kultureller und religiöser Vielfalt in die Schulen zu tragen. Diese liegt im Aufspüren der Gemeinsamkeiten, aber auch im Feststellen und Respektieren der Unterschiede. So erhalten die Schülerinnen und Schüler ein gemeinsames Kulturverständnis. Ich danke daher allen beteiligten Akteuren für ihr tolles Engagement, das nicht nur episodenhaft ist, sondern zu einer nachhaltigen Verankerung im Schulalltag und im Schulprofil führt", so Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium.

Die Preisträger in der Übersicht

Länderwertung Bremen/Hamburg:

  1. Preis (9.000 Euro): Grundschule Borchshöhe, Bremen
    Projekt: "Stadt der Schatten – multikulturelles Theater im Spannungsfeld der Religionen"
  2. Preis (6.500 Euro): Kooperation Gymnasium und Stadtteilschule Finkenwerder, Hamburg
    Projekt: "MOINhaba – Gemeinsam im TranSphär"
  3. Preis (4.500 Euro): Staatliche Fremdsprachenschule/Berufliche Schule für Medien und Kommunikation Hamburg
    Projekt: "MOVE IT – Wir spielen interkulturelles Theater"
    (Trialog-Website der Staatlichen Fremdsprachenschule/Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation)

Länderwertung Hessen:

  1. Preis (9.000 Euro): Lessing-Gymnasium Lampertheim
    Projekt: "Vereint in Verschiedenheit"
    (Trialog-Website des Lessing-Gymnasiums)
  2. Preis (6.500 Euro): Carl-Schomburg-Schule Kassel
    Projekt: "Aufbruch in den Stadtteil"
    (Trialog-Website der Carl-Schomburg-Schule)
  3. Preis (4.500 Euro): Schulkooperation St. Angela-Schule Königstein, I.E. Lichtigfeld-Schule Frankfurt und Werner-von-Siemens-Schule Frankfurt
    Projekt: "Anders sein, gemeinsam leben"
    (Trialog-Website der St. Angela-Schule)

Länderwertung Rheinland-Pfalz/Saarland:

  1. Preis (9.000 Euro): Gesamtschule/Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle
    Projekt: "Spuren suchen … Spuren hinterlassen …"
    (Trialog-Website der Gesamtschule/Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle)
  2. Preis (6.500 Euro): Technisch-Gewerbliches Berufsbildungszentrum Saarbrücken II ("Mügelsbergschule")
    Projekt: "Viele Kulturen Hand in Hand – Ideenpool für eine gelungene Ausbildung"
    (Trialog-Website der Mügelsbergschule II)
  3. Preis (4.500 Euro): Vinzenz-von-Paul-Gymnasium Niederprüm
    Projekt: "Vinzenz trifft Nathan"
    (Trialog-Website des Vinzenz-von-Paul-Gymnasiums)

Hier finden Sie die ausführlichen Laudationes zu allen Preisträgern.

Bilanz des Schulenwettbewerbs "Trialog der Kulturen"

Mit dem nun ausgezeichneten Schuljahr 2014/15 kommt der Schulenwettbewerb nach zehn Jahren zum Abschluss. Seit 2005 hat ihn die Herbert Quandt-Stiftung jährlich in verschiedenen Bundesländern für Schulen aller Schulformen ab Klasse fünf angeboten. Neben Hessen, wo der Wettbewerb über alle zehn Runden stattfand, wurde er zwischen 2006 und 2009 auch in Berlin ausgeschrieben. 2010 weitete die Stiftung den Wettbewerb mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung auf Rheinland-Pfalz und das Saarland aus, seit 2012 zudem auf Bremen und Hamburg. Mehr als 150 Schulen mit knapp 200 Jahresprojekten (durch mehrfache Teilnahme) haben insgesamt daran teilgenommen. Insgesamt über eine Million Euro Start- und Preisgelder wurden an die Schulen zur Förderung ihrer Verständigungsarbeit ausgeschüttet. Darüber hinaus hat die Stiftung die Teilnehmer während der Projektrunden intensiv begleitet, zu Veranstaltungen und Tagungen eingeladen, Netzwerktreffen für Alumni-Lehrer organisiert und zahlreiche Fortbildungen angeboten.

Die Ergebnisse der kreativen Projektarbeit der Schulen hat die Stiftung unter anderem in Materialheften für Lehrer und einem trialogischen Funkkolleg für Kinder in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk ausgewertet, zusammengestellt und zugänglich gemacht.
Weitere Informationen unter www.trialog-schulenwettbewerb.de