Chronik
Die gemeinnützige Herbert Quandt-Stiftung verfolgt ihr Kernanliegen, die Bürgerschaft zu stärken und die Gesellschaft zu fördern. Sie arbeitet mit eigenen Projekten und Programmen von ihrem Sitz in Bad Homburg und von ihrer Berliner Repräsentanz aus in den beiden Themenfeldern Bürger und Gesellschaft sowie Trialog der Kulturen.
Herbert Quandt
Die Herbert Quandt-Stiftung wurde 1980 mit einem Stiftungsvermögen von 1 Mio. DM durch die ALTANA AG in Bad Homburg errichtet. Das Unternehmen ehrte damit seinen langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Dr. h.c. Herbert Quandt.
Herbert Quandt gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der bundesdeutschen Unternehmensgeschichte. Geboren am 22. Juni 1910 im markbrandenburgischen Pritzwalk, trat er 1940 in den Vorstand der Accumulatorenfabrik AG (AFA) – der späteren VARTA – ein. Nach dem Krieg widmete er sich mit großer Tatkraft dem wirtschaftlichen Wiederaufbau. Er erneuerte die internationalen geschäftlichen Beziehungen und entwickelt die Idee partnerschaftlicher unternehmerischer Verantwortung: Die Unternehmen seines Besitzes wurden gegliedert und dezentral organisiert, ihre Führungskräfte erhielten großzügige Entscheidungsräume, die Mitarbeiter wurden am Unternehmenserfolg beteiligt. Auf diese Weise stärkte Herbert Quandt die Eigeninitiative sowie den Innovations- und Gründergeist in seinen Unternehmen. Unternehmerischen Wagemut und Weitblick bewies Herbert Quandt, als er 1960 ein großes Aktienpaket an der damals schwer angeschlagenen BMW AG übernahm. Mit diesem großen persönlichen Einsatz, der mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden war, sicherte Herbert Quandt die Unabhängigkeit des Unternehmens und führte es zurück auf die Erfolgsspur.
Studie
Wie bei anderen bedeutenden Unternehmen und Unternehmerfamilien des 20. Jahrhunderts wurde der Ruf nach einer Gesamtdarstellung der familiären Unternehmens-Geschichte laut. Auf Initiative der Familie Quandt, deren Firmen (wie BMW, ALTANA) sich z. T. als Gründungsmitglieder in der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zu Gunsten ehemaliger Zwangsarbeiter engagiert haben, wurde im Herbst 2007 Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Universität Bonn, für die Forschung auf diesem Feld gewonnen. Das unter Leitung von Joachim Scholtyseck stehende Forschungsprojekt reicht von der Kaiserzeit des 19. Jahrhunderts bis zum Tode Günther Quandts in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, und schließt somit auch die unternehmerischen Anfänge Herbert Quandts mit ein. Die Ergebnisse sind im Oktober 2011 im Verlag C.H. Beck unter dem Titel "Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie" erschienen.
Verantwortung für die Gemeinschaft
Das Wirken von Herbert Quandt war gekennzeichnet von seinem engagierten Bekenntnis zu freiheitlichem Unternehmertum und sozialer Marktwirtschaft. Nach seinem Wunsch sollte der Unternehmer als Mensch wahrgenommen werden, dessen Tun und Handeln sich über den ökonomischen Nutzen hinaus an der Verantwortung für die Gemeinschaft ausrichtet. Für seine Verdienste um das betriebliche Ausbildungswesen erhielt Herbert Quandt im November 1956 die Ehrendoktorwürde der Universität Mainz.
Die Stiftung
Diesem Leitbild folgt die Herbert Quandt-Stiftung seit ihrer Gründung im Jahre 1980. Bis 1993 bestand der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit darin, Wissenschaft und Forschung zu fördern, insbesondere durch den Byk-Preis zur Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Konstanz, sowie des Milupa-Preises für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Pädiatrie. 1993 fand das erste Sinclair-Haus-Gespräch statt, welches das Themenfeld "Bürger und Gesellschaft" begründete. 1996 folgte das Debüt der internationalen Konferenz "Trialog der Kulturen". Aus dieser Veranstaltung entstand in der Folge dann der zweite thematische Schwerpunkt der Stiftung.
Repräsentanz Berlin
Ein Meilenstein der Stiftungstätigkeit war die Eröffnung der Berliner Repräsentanz im Jahre 2003. Damit können verstärkt Kontakte zur Bundespolitik, zu nationalen wie internationalen Verbänden, zu religiösen Gemeinschaften und Institutionen, sowie zu anderen dem Gemeinwohl verpflichteten Akteuren aufgebaut werden.
Eigenständigkeit
Im Jahr 2007 erhielt die Stiftung im Zuge von strukturellen Veränderungen der ALTANA AG eine Zustiftung über 15 Mio. Euro von der Unternehmerin und Stiftungsratsvorsitzenden Susanne Klatten. Dies diente der Absicherung der Eigenständigkeit der Stiftung und der Wahrung des Andenkens an ihren Vater Herbert Quandt. Das Stiftungsvermögen erhöhte sich auf über 40 Mio. Euro. Parallel dazu wurde die Satzung der Stiftung neu gefasst, deren weit gefassten Zwecke nun die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur umfassen.





